Ich träume vom Atlantik

Über das Vorhaben auf dem blauen Ozean zu segeln

Vor etwas über einem Jahr habe ich diesen Satz niedergeschrieben: “Ich träume vom Atlantik.” Anfang diesen Jahres wurde ein Boot gechartert und ich heuerte spontan an, um noch den Resturlaub aus dem alten Jahr sinnvoll zu gestalten. Dabei wollte ich nach dem letzten Törn eigentlich nie wieder ein Boot besteigen.

Warum ich nach meinem ersten Segeltörn nie wieder an Bord gehen wollte

Mein erster Segeltörn auf dem Meer war im Juni 2018. Ich hatte keine Lust mehr alleine zu Reisen und wollte das Erlebte teilen. Durch einen Zufall kam ich in Kontakt mit der Soul Sailing Crew. Der Gründer Uwe lud mich ein, mal bei einem Törn mitzumachen. Sail & Yoga war das Motto und ich war sofort vom Konzept begeistert. Leute in meinem Alter an Board, plus Yogalehrerin und ein Segellehrer. Der Törn sollte von Olbia, Sardinien starten und entlang der Costa Smeralda in den Norden zum Nationalpark La-Maddalena-Archipel gehen. Zur “Karibik des Mittelmeeres”. Das Wasser war smaragdgrün, sie Sonnenuntergänge violett und die Stimmung an Bord sehr harmonisch. Jeden Morgen und jeden Abend wurde an Land Yoga angeboten oder meditiert. Tagsüber segelten wir von einer atemberaubenden Bucht zur nächsten.

Ich fand eine unbeschreibliche Leichtigkeit und Ausgeglichenheit in mir. Mein Geist fühlte sich auf einmal frei an. Meine erste Segelreise war so erfüllend, das sich mein Inneres wehrte noch einmal einen Törn zu machen. 

Meine Befürchtung: So schön wie es war, kann es nie wieder werden. 

Die erste Segeltour auf dem Atlantik

So formulierte ich es noch auch immer noch acht Monate später, als Martin mich anrief. Sein Plan: Die Umrundung von Lanzarote, der viertgrößten Insel der Kanarischen Inseln im östlichen Zentralatlantik. Martin berichtete von seinen Erlebnissen und Erfahrungen vom Segeln auf den Kanarischen Inseln. Er erzählte von Wellen die so hoch und lang waren, dass das Land am Horizont verschwand und sich das Boot zwischen den Wellen wie in einem Fahrstuhl auf und ab bewegte. Er erzählte von Walen, Schildkröten und Delfinen. So erinnerte ich mich wieder an diesen Satz den ich 2018 niederschrieb: “Ich träume vom Atlantik”. 

Als dann die Wellen direkt hinter den Hafenmauern auftürmten und der Rumpf der Segelyacht krachend durch diese brach, saß ich Deck, Schwimmweste angelegt und eingeklickt in die Sicherung, und lachte so breit, dass ich davon am nächsten Tag Muskelkater in den Wangen bekommen sollte. Es war sogar noch schöner.

Das breite Grinsen und die Euphorie wuschen sich in den darauffolgenden Tagen etwas ab, und Gefühle der Zufriedenheit, Ausgeglichenheit und Selbstgenügsamkeit nahmen in meinem Kopf Raum ein. Ich hatte in mir etwas Gefunden, was ich festhalten wollte – Meine persönliches Glücksmoment. Die Freiheit am Wind.

Die Suche nach Leichtigkeit und Freiheit

Es wollte mir nicht gelingen, diese Gefühle festzuhalten, die ich gerade erst eingefangen hatte. Kann man das Gefühl von Freiheit bewahren, wenn man zurück in die eigenen Käfige geht? 

So begann ich danach zu suchen. Bald darauf, knapp vier Wochen später, nahm ich an einem Skipper-Training in Griechenland teil und ich beobachtete erneut, wie ich wieder leicht wurde, als das Boot den Hafen verließ. Im Vergleich zu den kraftvollen Wellen des Atlantiks zeigte sich der Saronische Golf geschmeidig und stet. Und mein Kopf fand wieder diese Leichtigkeit und Freiheit. 

Es fügte sich zusammen, was sich fügen musste. Ich überschlug nichts. Einige Wochen vergingen und schließlich kündigte ich meinen Job. Ich wusste noch nicht was danach kommen sollte – Ein großer Teil in mir hatte Angst vor dieser Ungewissheit der andere Teil sah der Zukunft mit Zuversicht entgegen. Schon bald überschlug sich in meinem Kopf eine unendliche Anzahl der Möglichkeiten, die sich mir offenbaren könnten. Die schiere Endlosigkeit von Optionen und Erlebnissen, die sich dahinter verbargen nahmen meine Gedankenwelt ein. Jedoch fand keine Idee zu einem guten Bauchgefühl. Doch ein Facebook-Post sollte das bald ändern.

Anheuern an Bord der Maia

Sailing Maia, dahinter verbargen sich Peer und Claudia und ihr acht Monate alter Sohn Leo. Sie schreiben in ihrer Anzeige, dass sie ihr Boot noch vor den Herbststürmen durch die Biskaya überführen wollen und dafür Mitsegler suchen. Das Timing passte genau: Anfang August soll die Maia den Heimathafen in Flensburg verlassen und nach Almeria, Andalusien gebracht werden. Ein Meilentörn, durch Ostsee, Nord-Ostsee-Kanal, Nordsee, Ärmelkanal, quer durch die Biskaya und schließlich durch die Straße von Gibraltar. Zusammengerechnet eine Strecke von rund 1800 Seemeilen, das entspricht 3333 Kilometer. Da war er wieder in greifbarer Nähe: Der Atlantik.

Diesmal stimmte das Bauchgefühl, doch es fehlte der Funke Mut, um mich als Crew auf der Maia zu bewerben. Ich ließ einige Tage verstreichen, doch die Anzeige wollte mir nicht aus dem Kopf gehen und ich begann vorsichtig Freunden davon zu erzählen. 

Schließlich nahm ich dann doch mein Handy zur Hand und wollte es versuchen. So schrieb ich eine E-Mail und hängte ein kleines Video daran, in dem ich persönlich Hallo sagen und mich vorstellen wollte. Das Herz schlug mir bis zum Hals und die Kamera wackelte weil meine Hand in der ich das Telefon hielt nicht aufhören wollte zu zittern. 

Die Antwort folgte gleich einen Tag später, ich war auf der Favoritenliste. Ein Videochat in versammelter Runde mit der Wunsch-Crew von Peer und Claudia folgte ein paar Tage darauf. Wir stellten uns einander vor, der Plan wurde besprochen, Erwartungen und Wünsche wurden ausgetauscht und schließlich die Bitte um eine verbindliche Zusage. 

“Ja, ich bin auf jeden Fall dabei!“

Reisevorbereitungen für unbestimmte Zeit

Seither sind die Wochen wie im Fluge vergangen. Die Reisevorbereitungen fühlen sich an, als hätte ich auf einmal einen zweiten Job angenommen. Ein schier endlose To-Do Liste, die auf der sich immer neue Dinge wie von selbst ergänzen: Impfungen, Versicherungen, Behördengänge, Reisebank, Steuererklärung, Untermieter finden, Kamerazubehör kaufen, Reiseapotheke, und viele, viele kleine Dinge obendrauf. 

Die Vorbereitungen gelten einer Reise die potenziell länger sein wird, als die Tour über die Biskaya. Die Idee ist es als Crew auf neuen Booten anzuheuern und so alle Möglichkeiten zu ergreifen, die sich entlang des Weges ergeben. 

Auf zu neuen Ufern

Inzwischen hatte ich den letzten Arbeitstag in meinem ersten Job und fange langsam an Abschied zu nehmen. 

Es ist schwer über Ziele zu sprechen, wenn man sich als Crew-Mitglied auf die Reiseroute der Boote begeben möchte. Ich weiß aber das mein Traum in greifbarer Nähe ist. Ich will mehr erleben vom Atlantik, dem Ort an dem ich mein persönliches Glücksmoment gefunden habe. Meine Freiheit am Wind.

Hallo!

Ich sammel Sommersprossen auf der ganzen Welt. Meine Leidenschaft ist das Segeln. Ich habe meinen Job gekündigt, um Meere zu durchqueren. Hier werde ich meine Erlebnisse und Erfahrungen teilen.

Willkommen an Bord!

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